MHP

Hygiene & Medizin 5/2017

Aus der Praxis >>

MRE-Ausweise als patientengeführtes infektionspräventives Kommunikationsmittel im ambulanten Bereich. Eine Akzeptanzstudie in der Region Osnabrück

Alexandra Bartke, Gerhard Bojara, Jutta Esser, Swen Malte John, Johannes K.-M. Knobloch, Jörg-Christian Greie*

HygMed 2017; 42(5): D70–D79.

Schlüsselwörter: multiresistente Erreger · MRSA · Gesundheitseinrichtungen · Krankenhäuser · Kommunikationsmittel

Hintergrund: In 2014 wurden vom MRSA Netzwerk Osnabrück in Ergänzung zu bereits etablierten Überleitungsbögen MRE-Ausweise erstellt. Bisher wurden mehr als 7200 dieser MRE-Ausweise über Krankenhäuser, Labor und niedergelassene Ärzte an Patienten mit MRE-Nachweisen ausgegeben. Die Ausweise dienen der Vorlage durch die Patienten bei niedergelassenen Ärzten oder anderen Einrichtungen des Gesundheitswesens, um dort umgehend mit dem Erscheinen des Patienten entsprechende Hygiene- und ggf. Infektionspräventionsmaßnahmen ergreifen zu können.
Methodik: Im März/April 2016 wurde anhand einer Selbstselektionsstichprobe von n=1053 Patienten und n=298 niedergelassenen Ärzten in einer retrospektiven Kohortenanalyse über zwei zielgruppenspezifische Fragebögen die Akzeptanz des Ausweises und Erfahrungen im Umgang damit abgefragt. Die anschließende Datenanalyse erfolgte anhand von n=56 auswertbaren Arzt- bzw. n=112 auswertbaren Patientenfragebögen.
Ergebnisse: Die Datenauswertung zeigte, dass der MRE-Ausweis von Patienten und Ärzten als sinnvoll erachtet wird (79,1% bzw. 89,3%), seitens der Patienten jedoch auf eine deutlich höhere Akzeptanz stößt als seitens der niedergelassenen Ärzte. Von diesen gaben 50% an, den Ausweis bei positivem Erregerbefund noch nie an betroffene Patienten weitergegeben zu haben. Demgegenüber haben 74,1% der Ausweisinhaber diesen in der ambulanten oder stationären Versorgung bereits eingesetzt. Dabei wurde die resultierende Behandlung von den Betroffenen nicht als nachteilig z.B. im Sinne einer Stigmatisierung empfunden. 68,1% der Patienten gaben an, im ambulanten Bereich wie andere Patienten ohne besondere Hygienemaßnahmen behandelt worden zu sein. Schlussfolgerung: Obwohl der MRE-Ausweis als durchaus sinnvoll erachtet wird, wird er von niedergelassenen Ärzten wenig eingesetzt oder nachgefragt. Die Gründe hierfür sowie Verbesserungsmöglichkeiten hinsichtlich der Umsetzung des Ausweiskonzeptes bedürfen weiterer Untersuchung.