MHP

Hygiene & Medizin 9/2017

Schwerpunkt Schwer aufzubereitende Medizinprodukte

  • M. Wehrl*, A. Achten: Enzymatischer Schnelltest für die Gesamtprozessleistung maschineller Aufbereitungsprozesse für thermolabile Endoskope (RDG-E-Prozesse)
  • W. Michels: Standardisierung der Vorreinigung und maschinelle Aufbereitung von Instrumenten der Robotik
  • W. Siala, F. Van Bambeke, T. Vanzieleghem: Entfernung von Biofilm durch Endoskopreiniger: Eine Vergleichsstudie
  • U. Schlotthauer, F.C. Trudzinski, B. Gärtner, P.M. Lepper, S.L. Becker, K. Hennemann: Desinfizierende Aufbereitung von ECMO-Thermoregulationsgeräten bei Nachweis von Mycobacterium chimaera

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Enzymatischer Schnelltest für die Gesamtprozessleistung maschineller Aufbereitungsprozesse für thermolabile Endoskope (RDG-E-Prozesse)

Markus Wehrl*, Amelie Achten

Hyg Med 2017; 42(9): D98–D106.

Schlüsselwörter: Thermolabile flexible Endoskope · Reinigungs-Desinfektionsgeräte · Gesamtprozessleistung · Routinekontrolle · Validierung · Enzymatisches Schnelltestsystem

Hintergrund: Als Prozesskontrolle für die Gesamtprozessleistung von Aufbereitungsprozessen für thermolabile Endoskope werden Prüfkörper nach Anlage 9 der Leitlinie eingesetzt. Die Auswertung der Prüfkörper ist aufwändig und setzt ein mikrobiologisches Labor voraus, wodurch diese Prüfkörper für eine routinemäßige Kontrolle in den AEMP nicht geeignet sind.
Material und Methoden: In einem F&E-Projekt wurde eine einfach anwendbare und schnelle Methode zur Routinekontrolle der Gesamtprozessleistung von Aufbereitungsprozessen für thermolabile Endoskope unter Verwendung von Desinfektionsmitteln auf der Basis von Glutaraldehyd entwickelt. Das Prüfkörpermodell basiert auf dem Einsatz von speziellen Enzymen, die auf einer Fibrinmatrix in einem schlauchförmigen Prüfkörper immobilisiert werden. Die ausgewählten Enzyme stellen ein Surrogat für die konventionell eingesetzten Prüforganismen (Enterococcus faecium) dar und zeigen vergleichbare Denaturierungseigenschaften gegenüber prozesstypischen Temperaturen und Desinfektionsmittelkonzentrationen.
Ergebnisse: Durch vergleichende Labor- und Praxisuntersuchungen in Kliniken konnte die gute Übereinstimmung mit Anlage 9-Prüfkörpern demonstriert werden.

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Standardisierung der Vorreinigung und maschinelle Aufbereitung von Instrumenten der Robotik

Winfried Michels

Hyg Med 2017; 42(9): D107–D113.

Schlüsselwörter: Robotik-Instrumente · Ultraschallbehandlung · Reinigungs-Desinfektionsgerät · Restprotein · Hämoglobin-Test · Kauterisationsinstrumente

Hintergrund: Die Reinigung der komplexen Robotik-Instrumente, so wie sie der Hersteller
vorgibt, ist maßgeblich abhängig von einer intensiven manuellen Vorreinigung. Die nachfolgende
Aufbereitung im Reinigungs-/Desinfektionsgerät (RDG) sorgt nur noch für eine
gewisse Standardisierung der Restkontamination auf angemessen niedrigem Niveau.
Dabei sind Programmlaufzeit und der Ressourcenverbrauch für die drei bis vier Robotik-
Instrumente pro Charge im RDG unangemessen groß. Zur Vorreinigung gibt es nun auch
Behandlungssysteme, welche die Robotik-Instrumente mit einem vorgegebenen Programm
nicht nur mit Ultraschall behandeln, sondern auch den Innenbereich standardisiert durchspüülen
und gleichzeitig mittels einer Bewegungseinrichtung über die Steuerräder der
Instrumente die Bowdenzüge bewegen.
Material und Methoden: Es wurde daher nach dem vom Hersteller der Instrumente vorgegebenen
Testprotokoll geprüft, was diese Ultraschall-Geräte zur erforderlichen Gesamtleistung
der Reinigung beitragen und was die nachfolgende Reinigung im RDG dann noch leisten
muss, um am Ende adäquat gereinigte Instrumente bereitzustellen.
Ergebnisse: Aufgrund der Leistungsergebnisse konnte der RDG-Prozess im Zeitumfang
und Ressourcenverbrauch reduziert werden, was die Belastung der Aufbereitungseinheit
für Medizinprodukte (AEMP) deutlich verringert.
Schlussfolgerung: Die Etablierung dieser Kombination von Ultraschallgerät und RDG in
einer AEMP bestätigte bei der Reinigungsprüfung von durch tatsächlichen Gebrauch verschmutzten
Robotik-Instrumenten die hohe Wirksamkeit und Erfüllung der einschlägigen
Anforderungen. Das gilt jedoch leider nicht für alle Robotik-Instrumente gleichermaßen,
denn bei den Instrumenten zur Kauterisation ist die Behandlung im Ultraschallgerät nicht
ausreichend wirksam, so dass bei diesen die manuelle Bürstenreinigung des Funktionsendes
derzeit obligatorisch bleibt.

 

 

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Entfernung von Biofilm durch Endoskopreiniger: eine Vergleichsstudie

Wafi Siala, Françoise Van Bambeke, Thomas Vanzieleghem*

Hyg Med 2017; 42(9): D114–D122.

Schlüsselwörter: Biofilm · Reiniger · Desinfektion · Endoskope · mikrobiologische Überwachung · Aufbereitung

Hintergrund und Zielsetzung: Die Fähigkeit von Endoskopreinigern, Biofilm zu entfernen, wird anhand von unterschiedlichen Modellen geprüft, was die Ergebnisse schlecht vergleichbar macht. Unser Ziel war es, die Wirksamkeit von 11 Reinigern für die manuelle Reinigung von Endoskopen bei der Entfernung von Biofilmen unter einheitlichen friktionsfreien Bedingungen zu dokumentieren.
Material und Methoden: Es wurden drei Isolate jeder der Bakterienarten Staphylococcus aureus, Pseudomonas aeruginosa, Klebsiella pneumoniae, Escherichia coli und Enterococcus faecalis für statische In-vitro-Assays zur Biofilmentfernung ausgewählt. Die Biofilmentfernung von neun enzymatischen und zwei nicht-enzymatischen Reinigern bei 25 °C und 40 °C wurde durch Qualifizierung der Restbiomasse per Kristallviolett-Färbung bewertet. Mit Hilfe der konfokalen Mikroskopie wurden Veränderungen im Biofilm in ausgewählten Proben bestätigt. Es wurde eine Nachreinigung noch kontaminierter Endoskope mit dem besten Reiniger aus den In-vitro-Assays durchgeführt, gefolgt von Desinfektion und einer erneuten Beprobung.
Resultate: Unter friktionsfreien Bedingungen war der Erfolg der Biofilmentfernung von den jeweiligen Spezies bzw. Stämmen abhängig. Die Biofilmentfernung war bei 40 °C signifikant erfolgreicher als bei 25 °C (p < 0,001), insbesondere bei Verwendung enzymatischer Reiniger. Die maximale Biofilmentfernung, über alle Isolate gepoolt, betrug 62 ± 15% bei 4 °C und nur 20 ± 16% bei 25°C. Die konfokale Mikroskopie bestätigte die Entfernung der Biomasse des Biofilms. Die Kulturen von kontaminierten Endoskopen nach Nachreinigung und Desinfektionskulturen waren zufriedenstellend und erlaubten die Freigabe für den klinischen Gebrauch nach den aktuellen ESGE-ESGENA-Richtlinien.
Schlussfolgerungen: Die Biofilmentfernung ist abhängig von Spezies und Isolaten; die gefundenen Unterschiede zwischen den Reinigern zeigen, dass deren Zusammensetzung wichtig ist. Nur ein Reiniger war gegen alle getesteten Biofilme wirksam. Bei der Anwendung auf kontaminierte Endoskope bei der Nachreinigung beseitigte der gleiche Reiniger die Restkeimbelastung.

 

 

 

Aus der Praxis >>

Desinfizierende Aufbereitung von ECMO-Thermoregulationsgeräten bei Nachweis von Mycobacterium chimaera

Uwe Schlotthauer*, Franziska C. Trudzinski, Barbara Gärtner, Philipp M. Lepper, Sören L. Becker, Kai Hennemann

Hyg Med 2017; 42(9): D123–D126.

Schlüsselwörter: Extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) · atypische Mykobakterien · Herzchirurgie · nosokomiale Infektion · Pneumologie · Mikrobiologie

Hintergrund: Mycobacterium chimaera ist ein langsam wachsendes, atypisches Mykobakterium, welches in den vergangenen Jahren gehäuft als Ursache von invasiven Infektionen bei Patienten diagnostiziert wurde, bei denen zuvor ein herzchirurgischer Eingriff durchgeführt wurde. Ausbruchsuntersuchungen zeigten, dass Wasserreservoirs von Hypothermiegeräten, welche intraoperativ eingesetzt wurden, mit M. chimaera kontaminiert waren. Es stellte sich heraus, dass auch andere in der Medizin eingesetzte und mit Wasserreservoirs versehene Geräte mit M. chimaera besiedelt sein können, so beispielsweise zur extrakorporalen Membranoxygenierung (ECMO) eingesetzte Thermoregulatoren. Es besteht jedoch Unsicherheit hinsichtlich einer möglichst effektiven Aufbereitung dieser Geräte.
Methodik & Ergebnisse: Übersicht über die bisher vorliegenden Daten zum Nachweis von M. chimaera in ECMO-Thermoregulatoren sowie bildliche Darstellung der einzelnen Schritte zur Aufbereitung der Thermoregulationsgeräte nach Herstellerempfehlung. Eine Transmission von M. chimaera auf den Patienten während einer ECMO-Therapie kann aktuell nicht ausgeschlossen werden, sodass einer regelmäßigen Aufbereitung eine entscheidende Bedeutung zukommt. Schlussfolgerung: Erste Hersteller haben bereits auf den Nachweis von M. chimaera in ECMO-Thermoregulatoren reagiert und die Aufbereitungsempfehlungen entsprechend intensiviert. Eine entsprechende Umsetzung in der klinischen Praxis stellt aufgrund der aufwendigen Durchführung und der Notwendigkeit zum Vorhalten von Backup-Geräten eine Herausforderung dar. Weitere Studien sind notwendig, um die Effektivität der Aufbereitung sowie die mit Thermoregulatoren assoziierten Risiken für die Patientensicherheit zu evaluieren.