MHP

Hygiene & Medizin 10/2017

Originalarbeit >>

Aufbereitung von Endosonografiesonden (Ultraschallsonden mit Schleimhautkontakt) – ein unterschätztes Problem?

Sabine Gleich*, Bernarda Lindner, Peter Heeg

Hyg Med 2017; 42(10): D127–D135.

Schlüsselwörter: Endosonografiesonden • Aufbereitung • Humanes Papillomvirus • Infektionsprävention • Öffentlicher Gesundheitsdienst

 

Hintergrund: Durch Endosonografiesonden, die nicht adäquat aufbereitet sind, können Krankheitserreger übertragen werden. In der Literatur wurden durch diese Medizinprodukte verursachte Ausbrüche beschrieben: betroffen waren Transösophagealsonden in den USA und in Deutschland. Auch eine Übertragung potenziell kanzerogener Viren wie humaner Papillomviren (HPV) durch Transvaginal- und Transrektalsonden ist möglich.

Ziel: Es sollte überprüft werden mit welchen Methoden Ultraschallsonden mit Schleimhautkontakt in Münchner Kliniken aufbereitet werden. Bestehende Anwenderprobleme sollten identifiziert und Beratungsbedarf festgestellt werden. Material und Methoden: Die Münchner Gesundheitsbehörde schrieb im Februar 2017 19 Kliniken mit den Fachbereichen Gynäkologie, Urologie, Kardiologie bzw. Herzchirurgie an und bat um Zusendung der hauseigenen Hygienestandards/Standardarbeitsanweisungen für Endosonografiesonden. Die Unterlagen wurden standardisiert erfasst und deskriptiv ausgewertet.

Ergebnisse: In keiner der Kliniken werden die Vorgaben der KRINKO-/BfArM-Empfehlung zur Medizinprodukteaufbereitung vollumfänglich eingehalten. Allgemein geübte Praxis der Aufbereitung ist die alleinige Wischdesinfektion der Sonden mit Tuchsystemen, Tauchdesinfektionsverfahren und teilmaschinelle Verfahren beschränken sich auf Einzelfälle. Es werden nicht alle Gerätekomponenten mit aufbereitet, weit überwiegend erfolgt keine Überprüfung des Aufbereitungserfolges.

Schlussfolgerung: Die Aufbereitung von Ultraschallsonden mit Schleimhautkontakt stellt ein nicht gelöstes Problem dar – haftungsrechtlich für den Betreiber bzw. Anwender, infektionspräventiv für die untersuchten Patienten. Zwingend erforderlich ist die Erarbeitung von Leitlinien und Qualitätssicherungsstandards zur hygienisch korrekten Aufbereitung dieser Medizinprodukte. Die Hersteller müssen vom Gesetzgeber verpflichtet werden, aufbereitbare Medizinprodukte für diesen Sektor zu entwickeln und auf den Markt zu bringen.

Originalarbeit >>

Ermittlung von tolerierbaren Prozesschemikalien-Rückständen nach der Aufbereitung thermolabiler Endoskope

H. Biering

Hyg Med 2017; 42(10): D136–D141.

Schlüsselwörter: Instrumentenaufbereitung • Medizinprodukte • Thermolabile Endoskope • Prozesschemikalien • Tolerierbare Rückstände • Validierung

Hintergrund: Hersteller von Prozesschemikalien bzw. Reinigungs-Desinfektionsgeräten zur Reinigung und Desinfektion thermolabiler Endoskope müssen den Anwender über die Menge an tolerierbaren Rückständen der eingesetzten Produkte informieren. Bei der Leistungsqualifikation des Aufbereitungsprozesses beim Anwender sollte gezeigt werden, dass der Wert des tolerierbaren Rückstandes am Medizinprodukt unterschritten wird. Diese Untersuchungen können entweder durch Extraktion der Rückstände von Endoskop-Oberflächen oder gegebenenfalls von Prüfkörpern und anschließender analytischer Bestimmung der Chemikalien durchgeführt werden.

Material und Methoden: Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wird die Möglichkeit des Einsatzes von Prüfkörpern vorgestellt. Ausgehend vom Adsorptions- und Extraktionsverhalten ausgewählter Prozesschemikalien an Kunststoffen im Vergleich zu Abwinklungsteilen von Endoskopen werden die Möglichkeiten der Verwendung dieser Materialien für Prüfkörper diskutiert.

Ergebnisse und Schlussfolgerung: Im Ergebnis der Arbeit wird für die Rückstandsbestimmung von Prozesschemikalien nach der Aufbereitung thermolabiler Endoskope ein Prüfkörper aus Polyurethan vorgeschlagen und die Bedingungen für die Extraktion der Rückstände von den Prüfkörpern beschrieben.