MHP

Hygiene & Medizin 11/2017

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Infektionshygienische Überwachungvon High-Risk-Heilpraktikerpraxen – Ergebnisse und Konsequenzen

Sibylle Viehöver, Susanne Jamil, Sabine Gleich*

Hyg Med 2017; 42(11): D142–D147.

Schlüsselwörter: Heilpraktiker · Infektionshygienische Überwachung · Colonhydrotherapie · Ozontherapie · Checkliste · Begehung · Infektionsschutz

Ziel der Studie: Nachdem in den Jahren 2008 – 2012 bereits Heilpraktikerpraxen, in denen Colonhydrotherapie (CHT) oder Ozontherapie angeboten wurde, vom Referat für Gesundheit und Umwelt der Landeshauptstadt München (RGU) überprüft worden waren, wurden 2015 – 2016 alle Praxen mit diesen Therapieformen, die sich seither beim RGU angemeldet haben, begangen. In dieser Arbeit werden die Ergebnisse der beiden Überprüfungsserien gegenübergestellt. Es wird gezeigt, in welchen Bereichen es Verbesserungen gab und in welchen noch Verbesserungsbedarf besteht.
Methodik:
Eingeschlossen wurden alle Heilpraktikerpraxen, die seit 2006 eine invasive Tätigkeit in München angemeldet haben und CHT und/oder Ozontherapie durchführen. Die Überprüfung erfolgte standardisiert nach Checkliste. Die erhobenen Daten wurden deskriptiv-vergleichend analysiert.
Ergebnisse: Im Studienzeitraum wurden insgesamt 27 Heilpraktikerpraxen überprüft, neun davon boten CHT an, 14 Ozontherapie, vier beide Verfahren. Verbessert hat sich vor allem die Beachtung gerätespezifischer Anforderungen sowohl bei CHT als auch bei der Ozontherapie: freier Auslauf bei CHT, Aufbereitung der Geräte mit durch den Verbund für angewandte Hygiene (VAH) gelisteten Desinfektionsmitteln gemäß Herstellerangaben, regelmäßige Gerätewartungen. Häufige Beanstandungen ergaben sich nach wie vor im Bereich der persönlichen Schutzausrüstung sowie der Basishygiene.
Schlussfolgerungen: Um den Wissenstand auf dem Gebiet der Hygiene bei Heilpraktikern zu verbessern, hat das RGU Vorträge auf Fachfortbildungen verschiedener Heilpraktikerverbände und beim Fachgespräch der Münchner Heilpraktikerschulen angeboten. Es konnte gezeigt werden, dass die Schulungen insbesondere im Bereich der CHT und der Ozontherapie zu Verbesserungen des Hygienemanagements geführt haben. Aufgrund der sich mittlerweile in der Bevölkerung ausbreitenden Besiedlungen mit multiresistenten Erregern (MRE) ändert sich das Risiko auch für Heilpraktikerpraxen. Daher sind weitere Schulungsmaßnahmen in Zusammenarbeit mit den Heilpraktikerverbänden erforderlich, um die aktuellen Entwicklungen auf dem Gebiet der Hygiene zu vermitteln und ein Problembewusstsein zu schaffen.