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Hygiene & Medizin 12/2017

Inhalt >>

  • Mitteilung der DGKH: Erstellung einer Gutachterliste
  • Blickpunkt: Ina Hein – Pflegegeräte für rotierende Übertragungsinstrumente in Zahnarztpraxen – Bestimmungsgemäßer Einsatz und unsachgemäße Anwendung
  • Referate: Im Westen nichts Neues – Die aktuelle CDC-Leitlinie zur Prävention chirurgischer Wundinfektionen
  • Veranstaltungen: Freiburger Infektiologie- und Hygienekongress vom 18. bis 20. Oktober 2017

Originalarbeit >>

Die Auswirkung von Pflegeöl auf die Wirksamkeit der Dampfsterilisation zur Dekontamination zahnärztlicher Handstücke

Sandra Winter*, Andrew Smith, Brian Kirk, David Lappin

Hyg Med 2017; 42(12): D148–D154.

Schlüsselwörter: Dampfsterilisation · Dampfdurchdringung · Zahnärztliche Handstücke · Enge Lumina · Beladung mit Hohlkörpern · Biologische Indikatoren

Hintergrund: Von zahnärztlichen Handstücken geht das Risiko einer Kreuzinfektion durch die Kontamination mit Patientenmaterial aus. Reinigung und Sterilisation zahnärztlicher Handstücke sind wegen ihres komplexen Aufbaus schwierig. Auch das zum Schmieren innerer Bauteile verwendete Pflegeöl beeinflusst das Herstellen der Sterilisationsbedingungen. Ohne die Anwesenheit von Feuchtigkeit findet die Sterilisation mit „trockener Hitze“ statt und benötigt eine deutlich längere Einwirkdauer bei deutlich höheren Temperaturen (z.B. 160 °C über 2 h). Schmiermittel können hydrophob sein und deshalb durch ihre Anwesenheit verhindern, dass die im Dampf vorhandene Feuchtigkeit die Oberflächen erreicht, was die Abtötung von Mikroorganismen (Sterilität) beeinträchtigt.
Ziel: Diese Studie sollte die Auswirkungen von Pflegeöl auf zahnärztlichen Handstücken auf die Inaktivierung von Sporen von Geobacillus stearothermophilus während der Dampfsterilisation untersuchen.
Methodik: Die Handstücke wurden mit einer auf Edelstahldrähte aufgetrockneten Sporenlösung beimpft: Diese Drähte wurden in die Spraykanäle eingesetzt, anschließend wurde Pflegeöl für Handstücke (W&H, Österreich) aufgetragen. Mit einem Resistometer des Typs BIER (Biological Indicator Evaluation Resistometer) wurden die Abtötungsraten drei verschiedener Sterilisationsprogramme untersucht: zwei Programme mit Vakuum, eines ohne. Zur Wiederfindung der Sporen wurden die Drähte in phosphatgepufferter Salzlösung (PBS) geschallt, die dann gefiltert und auf eine Trypton-Soja-Agar-Platte (TSA-Platte) ausgebracht wurde. Die Menge der wiedergefundenen Sporen wurde als koloniebildende Einheiten (KBE) angegeben.
Ergebnisse und Schlussfolgerung: Nur in einem der Programmtypen (mit einem Vorvakuumstoß) wurden bei 4 von 12 aufbereiteten Handstücken Sporen wiedergefunden. Aus dieser Untersuchung lässt sich schlussfolgern, dass es ratsam wäre, Sterilisationszyklen mit den Geräten und unter den Bedingungen zu validieren, die später in der klinischen Praxis vorhanden sind. Die Annahme, dass während des Sterilisationsprozesses alle Bakterien getötet werden, ist trotz der integrierten Letalität überdimensionierten Parameter von 3 Minuten bei 134 °C nicht notwendigerweise korrekt.