MHP

Wundmanagement 1/2010

Originalarbeit

  • Der Einfluss der Patientencompliance auf den Wundheilungsverlauf – Ergebnisse einer Longitudinalstudie

    R. Becker

    Einleitung: Das Wundheilungsgeschehen stellt einen komplexen Vorgang dar, bei dem viele verschiedene Einflussfaktoren eine Rolle spielen. Dadurch besitzt jede Wunde das Potenzial zu einem Komplikationsfall zu werden, wodurch hohe Kosten entstehen und der schlimmstenfalls zu einer Amputation oder zum Tod führen kann. Bislang weitgehend unerforscht ist die Frage, welchen Einfluss die Patientencompliance auf den Wundheilungsverlauf ausübt. Im Rahmen der vorliegenden Untersuchung wurde genau dieser Frage nachgegangen.

    Methoden: Die Population der vorliegenden Studie bilden Patienten, die im Wundzentrum Bremen im Rahmen eines sektorenübergreifenden Versorgungssettings von April 2007 bis Juni 2008 behandelt wurden. Zur Datengewinnung wurde ein Wundfragebogen entwickelt, der den Patienten zu vier Befragungszeitpunkten – am Anfang der Behandlung, nach 4, nach 12 und nach 24 Wochen – vorgelegt wurde. Eine mangelnde Patientencompliance wurde als eindeutige Nichtbefolgung der Therapieanweisung des Wundversorgungsteams definiert. Als zentrale Messinstrumente kamen der wundspezifische Würzburger Wundscore (WWS) und das generische Nottingham Health Profile (NHP) zum Einsatz. Zur Auswertung medizinisch relevanter Parameter und der Kostensituation wurden zusätzlich die Wunddokumentationen herangezogen.

    Ergebnisse: Die Auswertung der Daten ergab, dass eine sektorenübergreifende, moderne Wundversorgung nicht per se zu einer verbesserten Behandlung führt, sondern dass erst eine differenziertere Analyse genaue Informationen zum Heilungsverlauf ergibt: Ein Vergleich der Werte zur Lebensqualität der Patienten im zeitlichen Verlauf (NHP) zeigte insgesamt einen ungünstigeren Verlauf für Patienten mit einer mangelnden Compliance. Auch im Hinblick auf den Wundheilungsverlauf (WWS) konnte ein eindeutig ungünstigerer Verlauf für Patienten mit einer mangelnden Compliance festgestellt werden.

    Diskussion: Aufgrund der wichtigen Bedeutung der Patientencompliance für den gesamten Wundheilungsverlauf sollte bei der Einführung neuer Versorgungsformen ein ganzheitlicher Betreuungsansatz – unter Einbezug von Strategien zur Erhöhung der Patientencompliance – verfolgt werden, um dadurch eine nachhaltige und tragfähige Patientenversorgung zu ermöglichen.

     

    Wundmanagement 2010; 4[1]: 4–9.

  • Freisetzung von Silberionen aus Schaumverbänden

    A. Schwarzkopf, H. Brill, C. Buchholtz, H. Braunwarth

    Die Notwendigkeit einer lokalen antimikrobiellen Therapie bei lokal kritisch kolonisierten und infizierten Wunden ist unbestritten. Für diesen Anwendungsbereich werden in der Praxis häufig silberhaltige Wundauflagen eingesetzt. Grundvoraussetzung für eine klinische Wirksamkeit ist dabei die Freisetzung der Silberionen. Solche Daten sind nicht für alle Wundauflagen frei verfügbar. Daher wurden in einem validen In-vitro-Testmodell, der modifizierten Diffusionszelle nach Franz, die Freisetzung von Silberionen bei ausgewählten, marktführenden silberhaltigen Wundauflagen untersucht. Für Allevyn Ag, Allevyn Ag Gentle Border und Biatain Ag nicht-haftender Schaumverband wurde eine Freisetzung von Silberionen gefunden, für Mepilex Ag nicht. Diese Ergebnisse bestätigen sich im Agardiffussionstest: Für Allevyn Ag, Allevyn Ag Gentle Border und Biatain Ag nicht-haftender Schaumverband wird ein Hemmhof gefunden, d. h. die Bakterien werden im Wachstum gehemmt, und für Mepilex Ag wird kein Hemmhof gefunden. Diese Ergebnisse können in dem Sinne interpretiert werden, dass die Silikonbeschichtung bei Meplilex Ag die Freisetzung von Silberionen verhindert.

     

    Wundmanagement 2010; 4[1]: 10–13.

  • Wundinfektionen nach primärer Hüft- und Knieendoprothetik: Ergebnisse einer prospektiven Einjahres-Surveillance

    M. Knoll, A. Holland, D. Wohlrab, M. Hildebrand, W. Hein, M. Borneff-Lipp

    Hintergrund und Fragestellung: Deutsche Krankenhäuser sind verpflichtet, nosokomiale postoperative Wundinfektionen kontinuierlich zu erfassen. Hierfür steht das Modul OP-KISS des Nationalen Referenzzentrums (NRZ) zur Verfügung.

    Studiendesign und Methoden: Es wurden postoperative Wundinfektionen nach primärer Hüft- und Knieendoprothetik über ein Jahr in einer orthopädischen Universitätsklinik erfasst, beurteilt und die daraus folgenden Hygienemaßnahmen den Erfordernissen fortlaufend angepasst.

    Ergebnisse: In beiden Patientengruppen (primärer Hüftgelenksersatz: 341 Patienten, primärer Kniegelenksersatz 425) traten jeweils 7 A 3-Wundinfektionen (Infektionen von Organen und Körperhöhlen im Operationsgebiet) auf, die sich vor allem in den niedrigen Risikokategorien ereigneten. Zudem trat eine postoperative oberflächliche Wundinfektion (A1) nach Hüftgelenksersatz auf.

    Schlussfolgerung: Die Surveillance nosokomialer Infektionen gibt dem Kliniker die Möglichkeit, den Qualitätsstandard in der eigenen Klinik anhand eines Referenzwerts zu ermitteln und zu vergleichen. Ziel hierbei soll primär eine Sensibilisierung für den Zusammenhang zwischen klinischer Intervention und nosokomialer Wundinfektion sein.

     

    Wundmanagement 2010; 4[1]: 14–19.

Pflegelexikon

  • Das Diabetische Fußsyndrom, Teil 1

    K. Protz

Der „Erreger des Monats"

  • „Innenleben“ – Der Biofilm aus der Sicht eines Bakteriums

    A. Schwarzkopf

Nachrichten der Initiative Chronische Wunden e. V.

  • 10000 Zertifikate
  • Vorstellung der regionalen Arbeitsgruppe in Lübeck

Aktuelles

  • Interdisziplinärer WundCongress in Köln
  • Heisenberg Professur „Molekulare Onkologie und Wundheilung“ vergeben
  • Neues GBE-Heft: Krankheitskosten
  • 9 Monate Wundplattform.com – Erste Bilanz