MHP

Wundmanagement 3/2010

Übersichtsarbeit

  • Artifizielle Wunden und Wundbeurteilung

    F. Breier, A. Kiss, J. Breier-Maly, A. Steiner, R. Feldmann

    Die unterschiedlichen klinischen und ätiologischen Varianten artifizieller Wunden werden dargestellt. Artefakte werden mechanisch, thermisch oder chemisch hervorgerufen, wobei unterschiedliche Motive und Persönlichkeitsstörungen zugrunde liegen können. Zu diesem Erkrankungsspektrum zählen die Akne excoriée, das artifizielle Extremitätenödem, die Cheilitis crustosa factitia, der Dermatozoenwahn, die Dermatitis artefacta, die dermatologische Pathomimikrie, das Gardner-Diamond Syndrom, das Lesch-Nyhan-Syndrom und Pseudo-Lesch-Nyhan-Syndrom, das Münchhausen-Syndrom, die artifizielle Paronychie, die „Liebesbisse“ am Unterarm, selbstverletzendes Ritzen, das sklerosierende Lipogranulom, die Trichotillomanie und Varianten der Prurigo nodularis. Um die Beurteilung der Wunden zu ermöglichen, wurde das NÜRBURG-System (Nekrose, übel riechend, Beläge, Umgebungsrötung, Granulation) entwickelt, welches möglichst einfach die wesentlichen Kriterien der Wundbeurteilung erfasst und dokumentiert. NÜRBURG ist ein Akronym für die Kriterien Nekrose, übelriechend, Beläge, Umgebungsrötung und Granulation. Die Therapie der Artefakte erfolgt, neben einer okklusiven Lokalbehandlung mittels einer sehr vorsichtigen Exploration mit gesprächstherapeutischen und/oder psychopharmakagestützten Therapiekonzepten. Die Aufforderung, den behandelnden Arzt auch schon bei kleinsten Hautveränderungen aufsuchen zu können, kann neben den oben genannten Therapiemethoden ebenso wie das bewusste „Nichtnachfragen“ wie einzelne Hautveränderungen zustande gekommen sind, den Heilungserfolg günstig beeinflussen.

  • Konservative und chirurgische Wundbehandlung bei akuten und chronischen Bestrahlungsfolgen

    R. Koller, M. Rab

    Die als Früh- bzw. Spätfolge von medizinischer Strahlenbehandlung auftretenden Veränderungen sind heute wesentlich seltener als früher anzutreffen. In der Frühphase der Irradiation stehen prophylaktische Maßnahmen im Vordergrund. Kommt es zu Läsionen, sind zunächst konservative Maßnahmen, im Wesentlichen alle Formen einer stadiengerechten feuchten Wundbehandlung, indiziert. Bei Chronifizierung oder Freiliegen von tieferen Strukturen wie Knochen, Gelenken oder Blutgefäßen besteht die Indikation zur operativen Behandlung. Diese besteht in radikalem, oft mehrzeitigen Débridement, wobei im Intervall eine Unterdrucktherapie sehr hilfreich sein kann. Die plastisch-chirurgische Defektdeckung erfolgt durch gut durchblutetes, unbestrahltes Gewebe in Form von Lappenplastiken.

  • Multidisziplinäre Therapie der Akne inversa (alias Hydradenitis suppurativa)

    R. Hierner, O. Hoffmann, H. Degreff, K. Marien, W. Niebel

    Trotz großer Fortschritte in den letzten Jahren ist die Ätiologie der Akne inversa heute noch unbekannt, weshalb keine systemische kurative Therapie zur Verfügung steht. Alle heutigen Therapieansätze sind bis auf wenige Ausnahmen palliativ anzusehen. Das Ziel ist, ein möglichst geringes Entzündungsniveau über einen möglichst langen Zeitraum zu erhalten, um möglichst wenig sekundäre Vernarbungen und den daraus resultierenden Komplikationen zu erhalten. Die dermatologische Basistherapie stellt das Fundament des multidisziplinären Behandlungsplans dar. Chirurgische Maßnahmen sind erst indiziert wenn alle konservativen Maßnahmen ausgeschöpft worden sind. Die Inzision von Abzessen ist rein palliativ und zielt auf die chirurgische Schmerzreduktion. Durch die chirurgische Resektion großer narbig veränderter Gewebeflächen und deren Ersatz durch gut durchblutetes Gewebe -oft mit geringerer Anzahl an apokrinen Schweissdrüsen- erhöht sich Wirkungsgrad und Effektivitât der systemischen konservativen Therapie. Durch die Möglichkeit der LASER Epilation kann das Effektororgan der Akne inversa, der Haarfollikel – entfernt werden. Erste größere Studien und eigene Erfahrungen geben Anlaß zur Hoffnung auf eine neue wenig invasive Therapieform, die „präventive bzw. kurative Epilation bei Akne inversa.

Aus der Praxis

  • Klinische und wissenschaftliche Daten zu einem silberhaltigen Silikonschaumverband: ein Überblick

    P. Chadwick, F. Taherinejad, K. Hamberg, M. Waring

    Antimikrobiell wirksame Substanzen wie Silber werden häufig zur Behandlung oder Prävention einer Infektion, entweder einzeln oder in Kombination mit Antibiotika angewendet. Dieser Artikel bietet eine Übersicht zu den vorliegenden In-vitro- und In-vivo-Nachweisen für ein solches Antimikrobiotikum, das häufig in der Wundtherapie eingesetzt wird.

Pflegelexikon

  • Einfluss der Ernährung auf die Wundheilung, Teil 1

    K. Protz

Nachrichten der Initiative Chronische Wunden e. V.

  • Neue Konsensusempfehlung zu Hygiene in der Wundversorgung
  • Ein deutsch-chinesisches Partnerprojekt auf Zertifizierungsebene: ICW/TÜV-Zertifizierung in China
  • Der Bremer Pflege- und Wundkongress wieder mit Besucherzuwachs – ICW e. V. stellt neue Projekte vor

Nachrichten des Wundzentrums Hamburg e. V.

  • Chronische Wunden: Integrierte Versorgung in Hamburg
  • Arbeitsgruppe zur Erstellung von Angehörigenbroschüren gegründet

Nachrichten des Wundverbundes Südwest e. V.

  • Bericht vom 22. Roundtable am 4.11.2009 in Dillingen

Aktuelles

  • EPO in der Wundtherapie: MHH testet innovatives Heilungskonzept
  • Fehler in der Pflege? – Nicht mit uns!
  • 2. Nationale Expertendebatte zur Modernen Wundversorgung in Hamburg
  • Stipendium für therapeutische Forschung
  • Kampf gegen Krankenhauskeime: MHH-Forscherin erhält Auszeichnung
  • Vereinsgründung im „Haus an der Traisen“ St. Pölten (A)
  • Rahmenempfehlungen zur Fortbildung Podologische Therapie

Veranstaltungsbericht

  • 2. Kieler Wundsymposium am 3. März 2010 – Diabetischer Fuß
  • 10 Jahre Bad Kissinger Kongress: Hygiene – Wunde – Pflege
  • 12. Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Wundbehandlung in Wien