MHP

Wundmanagement 2/2012

Aktuelles

  • Erweiterung des § 63 c SGB V, Pflegeweiterentwicklungsgesetz – Stellungnahme der Initiative Chronische Wunden zum Beschluss des Gemein­samen Bundesausschusses
  • BVMed-Dekubitus Forum: Unterversorgung von Risikopatienten mit Antidekubitus-Hilfsmitteln
  • Erste Bundes-Konsensuskonferenz „Ergebnismessung und Nutzenbewertung in der Versorgung chronischer Wunden“
  • Hochkarätiger Pflege-Kongress auf der ALTENPFLEGE 2012

Übersichtsarbeit

  • Ausstattung eines Adipositaszentrums

    P. Pick

    Adipositas ist eine chronische Krankheit, unter der die Patienten lebenslang leiden, die konservativ kaum zu therapieren ist und die in Deutschland ungebremst zunimmt. Als Therapieoption sollten alle verfügbaren Verfahren gleichermaßen in Erwägung gezogen werden – auch operative Verfahren, ergänzt durch konservative Maßnahmen. So lauten die ersten Ergebnisse der Expertengruppe Metabolische Chirurgie in einer Pressemitteilung vom 18. November 2010 in Frankfurt [1]. Von der Expertengruppe wird eine interdisziplinäre Behandlungsstrategie für Adipositas und Diabetes in Deutschland gefordert. Der Aufbau eines Adipositaszentrums sollte daher von Anfang an interdisziplinär erfolgen. Gemeint sind dabei sowohl interne als auch externe Partner des Zentrums wie z. B. Diabetologen, Hausärzte, Ernährungsmediziner, Ökotrophologen, Psychologen, Sportmediziner, Physiotherapeuten, Rehazentren und Selbsthilfegruppen, um nur einige zu nennen. Damit sich aus dieser Vielzahl von Therapeuten eine sinnvolle, nachhaltige Therapie ergibt, darf Interdisziplinarität nicht nur ein Begriff bleiben, sondern muss gelebt und organisiert werden. Unser Adipositaszentrum lädt daher regelmäßig einmal im Monat alle Beteiligten zu einer interdisziplinären Konferenz ein. Dieses Angebot wird gerne und mit wachsender Beteiligung angenommen. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit im „Adipositas-Team“ zu etablieren ist der wichtigste Faktor für ein qualitativ hohes Behandlungsniveau der Adipositas. Die rein materielle Ausstattung eines Adipositaszentrums ist am Start in vielen Bereichen mit überschaubaren Mitteln zu erreichen oder bereits vorhanden und sollte kein unüberwindbares Hindernis darstellen. Da sich der dramatische Anstieg der krankhaft adipösen Bevölkerungsgruppe in keiner Weise im Behandlungsangebot des deutschen Gesundheitswesens widerspiegelt [1], ist jedes neu gegründete Adipositaszentrum ein Schritt in die richtige Richtung.

  • Antimikrobielle Therapie von intraabdominellen Infektionen unter besonderer Berücksichtigung resistenter Erreger bei morbider Adipositas

    C. Eckmann, P. Kujath, H. Shekarriz

    Die morbide Adipositas ist ein in zahlreichen Publikationen belegter Risikofaktor für postoperative infektiöse Komplikationen. Intraabdominelle Infektionen (IAI) bilden dabei die zahlenmäßig größte Gruppe. IAI bedürfen meist primär einer chirurgischen Herdsanierung sowie einer parallel zur chirurgischen Therapie eingeleiteten Antibiotikatherapie. IAI weisen meist ein polymikrobielles Erregerspektrum auf, welches aus grampositiven und gramnegativen aeroben und anaeroben Bakterien bestehen kann. Die postoperative und die tertiäre Peritonitis zeichnen sich durch ein selektioniertes Spektrum mit resistenten grampositiven (MRSA, VRE) und gramnegativen (ESBL-Bildner, Carbapenem-Resistenz) Erregern sowie ggf. auch mit Pilzinfektionen aus. Im gramnegativen Bereich stehen nur noch wenige Substanzen zur Verfügung. Das Prinzip der antibiotischen Vielfalt ist ein evidenzbasierter Bestandteil eines „antibiotic stewardship“ bezeichneten Maßnahmenkataloges, der der Erhaltung der therapeutischen Optionen und der Minderung des Selektionsdrucks in der antimikrobiellen Therapie dient.

  • Chronische Wunden und Ernährung – Vom Einfluss des Übergewichts bis zur Mangelernährung

    U. Bonacker

Blickpunkt

  • Erwartung und Wirklichkeit – Vorurteilsfreie Pflege

    F. T. Bock, W. Tigges

Empfehlung

  • Die Rolle eines Proteasen Schnelltests in der Wunddiagnostik

    R. Strohal, J. Dissemond, G. Hastermann, K. Herberger, S. Läuchli, G. Luch, D. Mayer, T. Neubert, M. Storck

    MMPs und Serinproteasen wie z. B. Elastase gehören zu den wichtigsten Proteasen, die in der Wundheilung eine maßgebliche Rolle spielen. Bei Wunden liegt der Forschungsschwerpunkt bislang auf MMP-1, MMP-2, MMP-8 und MMP-9.

    Aktuelle Resultate der Literatur deuten daraufhin, dass die Proteasen einen vielversprechenden Biomarker für die Beurteilung der Wundheilung auf biochemischer Ebene darstellen. Außer den Proteasen gibt es auch andere, mit Entzündungen assoziierte Marker wie z. B. TNF-a, die sich als potenzielle Kandidaten für weitere diagnostische Tests eignen könnten. Dazu gehört auch der pH-Wert vom Wundexsudat, welcher u. a. maßgeblich die Aktivität der im Wundexsudat beinhaltenden Proteasen beeinflusst.

    In der täglichen klinischen Praxis der Wundbehandlung erfolgt die gewählte Therapie der Ursachenbehandlung nach einer vorab erstellten Diagnose. In der Zukunft könnte es möglich sein, eine individualisierte Wundtherapie durchzuführen, zum Beispiel nach Anwendung eines patientennahen Proteasen-Schnelltests am Point of Care (PoC-Test), der die Diagnostik um eine spezifische lokale Wunddiagnostik erweitert. Die Teilnehmer des Expertentreffens haben einen klinischen Algorithmus ausgearbeitet, der die Anwendung des Proteasen-Schnelltests beschreibt.

    Das frühe Erkennen der korrigierbaren Faktoren in der Wundheilung könnte Wundtherapeuten die Möglichkeit bieten, eine Therapie anzuwenden, die den Heilungsprozess beschleunigen kann. Die Anwendung eines Proteasen-Schnelltests zur Bestimmung der Proteasenaktivität könnte den Therapeuten deutliche Hinweise dazu liefern, welche Behandlungsmöglichkeiten geeignet und welche nicht geeignet sind und bei der Entscheidung unterstützen, wann eine Behandlung begonnen oder beendet werden sollte.

    Nach Meinung der Experten könnten denkbare gezielte Indikationen für den Proteasen-Schnelltest Problemwunden sein, die trotz richtiger Diagnose und adäquater Therapie keinen Heilungsfortschritt innerhalb eines Zeitraumes von 2 bis 4 Wochen zeigen. Weitere gezielte Indikationen könnten Problemwunden mit Entzündungszeichen sein. Der Proteasen-Schnelltest könnte auch vor dem Einsatz von Hautspalttransplantaten und Hautersatzprodukten mit dem Ziel des rascheren Einsatzes der richtigen Therapie angewendet werden, der Abkürzung der Heilungszeit, der Vermeidung von Komplikationen und der Kostenreduktion.

    Mögliche erweiterte Indikationen des Proteasen-Schnelltests könnten postoperativ nicht-heilende Wunden, offene Abdomenbehandlungen sowie die Forschung im Zusammenhang mit der Entwicklung neuer Produkte beispielsweise resorbierbare MMP-Fänger sein.

    Die Experten empfehlen, die Einführung des Proteasen-Schnelltests in mehreren Schritten vorzunehmen. Zum jetzigen Zeitpunkt sollte eine gezielte Anwendung durch Wundspezialisten in Schwerpunktzentren nach Anordnung durch den Arzt und nach einer Einführung in die praktische Anwendung des Tests erfolgen. Zu einem späteren Zeitpunkt, und sobald mehr Erfahrungen im Umgang mit dem Proteasen-Schnelltest vorliegen, könnte der Proteasen-Schnelltest einem erweiterten Anwenderkreis zur Verfügung gestellt werden.

    Ein denkbares und von den Experten vorgeschlagenes Vorgehen für die Gewinnung erster Evidenz des patientennahen Proteasen-Schelltests ist die Sammlung von Erfahrungsdaten nach breitem Einsatz des Tests durch alle ersten Anwender, die den Test in der täglichen klinischen Praxis der Wundbehandlung unter Berücksichtigung der vorgeschlagenen möglichen Indikationen angewandt haben werden. Die gewonnenen Erfahrungen könnten dazu dienen, ein Register aufzubauen und Antworten zu finden auf Fragen wie z. B. die Dauer und der geeignete Zeitpunkt für die Anwendung des Tests.

    Bei der Schulung von Wundtherapeuten zu Proteasen und zu dem Proteasen-Schnelltest ist es wichtig, das Konzept von Gleichgewicht und Ungleichgewicht, d. h. das Gleichgewicht zwischen Bildung und Abbau der EZM in der Heilung zu vermitteln.

Pflegelexikon

  • Dekubitus – Was hat sich geändert?

    G. Schröder

Nachrichten der Initiative Chronische Wunden e. V.

  • Experteninterview zum ICW e. V. Wundsiegel
  • Erste „ICW e. V. Wundsiegel“ Zertifizierung in den neuen Bundesländern
  • Aktiventreffen der ICW e. V. in Quedlinburg
  • Einladung zur Mitgliederversammlung 2012

Nachrichten der Schweizerischen Gesellschaft für Wundbehandlung

  • Datenerfassung von Wundpatienten: Von der Qualitätssicherung zu neuen Erkenntnissen

Nachrichten des Wundzentrums Hamburg e. V.

  • Patientenbroschüren kostenfrei erhältlich
  • Workshop des Wundzentrums Hamburg am 10.02.2012
  • Vorstandswahl am 1. März

Veranstaltungsbericht

  • 8. Soester Wundkongress
  • 6. Dortmunder Wundforum im Kongresszentrum Westfalenhallen
  • 12. Interdisziplinäre Tagung des Netzwerkes „Diabetischer Fuß" am 15.02.2012 in Hamburg