MHP

Sonderheft 2/2012

Blickpunkt

  • Das Wund.D.A.C.H.

    R. Strohal

  • Das Projekt „Amputationsregister“ der österreichischen Gesellschaft für Chirurgie und der AWA

    G. Zöch

    Die österreichische Gesellschaft für Chirurgie erstellt in Zusammenarbeit mit der österreichischen Gesellschaft für Wundmanagement (AWA) ein Register, in dem alle Majoramputationen österreichweit erfasst werden. Es soll in erster Linie der Qualitätssicherung dienen und wäre nicht nur zur Erhebung des „Ist-Zustandes“ dringend notwendig, sondern sollte auch die Grundlage zur Erstellung von Behandlungspfaden bzw. Algorithmen zur Indikationsstellung von Majoramputationen sein. Ebenso wäre es ein ideales Instrument, um die Rehabilitation nach dem Verlust eines Beines zu sichern und auf eine einheitliche Linie zu bringen.

Übersichtsarbeit

  • Evidenz-basierte Medizin versus Best Practice: Wie entwickelt sich die Behandlung des chronischen Ulcus cruris in Deutschland?

    J. Dissemond

    Es kann heute als allgemein akzeptierter Erkenntnisstand angesehen werden, dass das differenzierte, an den Phasen der Wundheilung individuell adaptierte feuchte Wundmanagement die Behandlung von Patienten mit chronischen Wunden wesentlich unterstützt. Jedoch sollte dieses Wundmanagement nach adäquater Diagnostik unbedingt mit einer kausal ansetzenden Therapie einhergehen, um einen dauerhaften Behandlungserfolg zu gewährleisten. Die Kombination von kausal ansetzender Therapie und optimaler Lokalbehandlung kann somit heute als Goldstandard in der täglichen Behandlung („Best Practice“) von Patienten mit chronischen Wunden gesehen werden. Die Evidenz, die diese wissenschaftlichen Erkenntnisse untermauert ist jedoch in vielen Bereichen der Wundbehandlung unzureichend.

    In dem Gutachten „Bewertung von Wundauflagen“ des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes der Krankenkassen e. V. (MDS), das im Juni 2009 im Auftrag des AOK-Bundesverbandes erstellt wurde geht es primär um die Nutzenbewertung verschiedener Wundheilungsprodukte bei dem Einsatz bei Patienten mit chronischen Wunden. Die Autoren kommen hier zu der Schlussfolgerung, dass „ … die initiale Okklusiv-Behandlung chronischer Wunden mit dem preiswertesten Hydrokolloidverband durchgeführt werden kann …“. Da die Umsetzung der Empfehlungen des MDS Gutachtens zu einer erheblichen Verschlechterung der Versorgungsrealität von Patienten mit chronischen Wunden führen würde, sollen in diesem Übersichtsbeitrag die aktuellen wissenschaftlichen Aspekte der modernen Wundtherapie im Kontext der praktischen Umsetzung kritisch vorgestellt und diskutiert werden.

  • Diplomierte Wundexpertin (WEX), zertifizierter Wundmanager, Zertifizierter Wundtherapeut, Zertifizierter Wundassistent, Wundexperte (ICW), Pflegetherapeut Wunde (ICW) oder doch lieber Wundmanager (TÜV)?

    J. Traber, M. Signer, I. Kilb, D. von Siebenthal

    Wundbehandlung hat in der Medizin seit gut 2 Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen. Seit 1990 wurden zahlreiche nationale und übernationale Organisationen gegründet. Die Ziele dieser Organisationen sind inhaltlich ähnlich. Im Vordergrund stehen die Förderung von Ausbildung und Forschung auf dem Gebiet der Wundbehandlung. Die Vermittlung profunder Kenntnisse in Epidemiologie, Pathophysiologie, Diagnostik, Therapie und Prävention sind das Fundament erfolgreicher Durchführung situativ korrekter Behandlung schwer heilender und chronischer Wunden. Im ersten Teil wird anhand von im Internet verfügbarer Information eine Übersicht über die im deutschsprachigen Raum aktiven Ländergesellschaften und deren Aus-und Weiterbildungsangebote gezeigt. Es wird seitens der Autoren ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Zusammenstellung keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt! Im zweiten Teil werden die Resultate einer Umfrage bei Absolventen/Absolventinnen des Schweizerischen Lehrganges zur Wundexpertin SAfW/Hplus in der Schweiz vorgestellt. Die Umfrage will Licht ins Dunkel bringen, wie die Ausbildung zur Wundexpertin in der Schweiz im Berufsalltag implementiert wird.

  • Wundversorgung bei Hautblasen – Praxisbeispiele

    S. Baum, I. Rüegg, C. Wyss, S. Läuchli

    Hautblasen sind im klinischen Alltag häufig anzutreffen. Die Ursachen von Hautblasen können sehr unterschiedlich sein und müssen bei der Behandlung stets berücksichtigt werden. Neben einer Vielzahl von dermatologischen Erkrankungen können thermische Schädigung, Spannung und Reibung, sowie Druckschäden und infektiöse Ursachen, wie das Erysipel, zur Blasenbildung der Haut führen. Mit der kontroversen Diskussion, eine Hautblase zu belassen oder sie abzutragen, ist die Frage der differenzierten Wundbehandlung noch nicht beantwortet. Zwar kann das Belassen und Schützen der Eigenhaut eine optimale Therapieoption darstellen, es gibt aber auch Situationen bei denen eine Eröffnung der Blasen gerechtfertigt ist, um den raschen Einsatz gezielter Lokaltherapie zu ermöglichen. Nicht zuletzt können sich hinter harmlos erscheinenden Hautblasen auch gravierende Störungen und Gewebeschäden verbergen. Zur professionellen Wundbeurteilung braucht es profunde Fachkenntnisse und Erfahrung, um die Besonderheiten von Hautblasen bei verschiedenen Krankheitsbildern korrekt einschätzen zu können. In diesem Artikel werden anhand reich bebilderter Praxisbeispiele verschiedene Erscheinungsformen von Hautblasen mit ihren besonderen Begleitumständen und der angepassten Lokaltherapie aufgezeigt. Auf die Frage nach dem zielgerichteten und sinnvollen Einsatz moderner Lokaltherapeutika wird dabei besonders eingegangen.

  • Chronische venöse Insuffizienz – manchmal steckt mehr dahinter!

    V. Bekou, I. Kilb, J. Traber

    Das Ulcus cruris venosum ist die häufigste Form chronischer Ulzerationen. Ursache ist die chronische venöse Insuffizienz (CVI). Im Wesentlichen entwickelt sich die CVI durch einen Überdruck im Venensystem, der durch funktionsunfähige/fehlende Venenklappen, Verlegung der venösen Strombahn oder Gefäßmissbildungen entsteht. Varizen zählen zu den häufigsten krankhaften Veränderungen am Gefäßsystem schlechthin. Für deren Entstehung scheinen eine gewisse Disposition (schwaches Bindegewebe, hormonelle Einflüsse) und Lebensumstände (Stehberufe, Schwangerschaft, Bauchpresse) verantwortlich. Bei einer großen Zahl der Patienten mit einer Varikosis lässt sich Reflux an den Mündungssegmenten der (oberflächlichen) Stammvenen vor dem Zusammenschluss mit den (tiefen) Leitvenen finden. Trotz ausgeprägten Varizen im Oberschenkelbereich lässt sich ein solcher oberer Insuffizienzpunkt aber nicht immer finden. Die hartnäckige Suche nach der Ursache des venösen Überdruckes führt dann oft ins kleine Becken. Sowohl die inneren Beckenvenen als auch bei Frauen die linksseitige Vena ovarica können bei fehlender Mündungsinsuffizienz als Refluxursache identifiziert werden. Noch ist die Bedeutung dieser topographisch höher gelegenen „Refluxquellen“ nicht hinreichend geklärt und die Entwicklung therapeutischer Konzepte bedarf weiterer Untersuchungen.

  • Perspektiven und Pflege von Patienten und deren Angehörigen mit einer malignen Wunde

    S. Probst

    Die Pflege von Patienten mit einer palliativen Wunde stellt für die Betroffenen, deren Angehörigen sowie für das Gesundheitspersonal eine grosse Herausforderung dar.

    Es gilt Leiden zu lindern oder zu verhindern, indem körperliche Symptome wie übler Geruch, Blutungen, Schmerzen, Exsudat und Juckreiz angegangen werden. In dieser Übersichtsarbeit werden verschiedenen Aspekte, deren Auswirkungen und spezifischen Probleme, die palliative Wunden verursachen sowie mögliche Interventionen, aufgezeigt.

  • Wundverbände mit Sodium Acrylate Polymer (SAP)-Granulat – Eine Variante Wunden professionell zu managen

    P. Kurz, S. Krasnik

    Durch die stetig fortschreitende Entwicklung im Wundmanagement ist es notwendig die aktuellen Behandlungsmethoden und Vorgehensweisen in der Wundbehandlung regelmäßig im Hinblick auf die aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu betrachten. Diese Übersichtsarbeit beschäftigt sich mit der Anwendung moderner Wundauflagen mit SAP-Granulat und deren zielgerichteten Einsatz in der Wundversorgung. Anwendungsbeobachtungen zeigen immer wieder deutlich, dass durch die Anwendung von Wundauflagen mit SAP-Granulat der Behandlungsaufwand reduziert und so Kosten und Zeit gespart werden können. Durch die spezifischen Eigenschaften von Wundauflagen mit SAP Granulat wird unter anderem der Selbstheilungsprozess angeregt und so die Wundheilung positiv beeinflusst.

Fallbeispiel

  • Modifizierte Vakuumtherapie bei einem Patienten mit Epidermolysis bullosa dystrophica

    M. Weindorf, J. Dissemond

    Die Genese eines Ulcus cruris kann sehr unterschiedlich sein. Neben der chronischen venösen Insuffizienz und der arteriellen Verschlusskrankheiten gibt es zahlreiche weitere Ursachen. Eine sehr seltene Ursache für ein chronisches Ulcus cruris stellen Krankheiten aus dem Formenkreis der hereditären Epidermolysis bullosa dar. Bei diesen Patienten gestaltet sich aufgrund der Vulnerabilität der Haut physikalische Therapien wie beispielsweise eine konventionelle Vakuumtherapie schwierig bzw. sind kontraindiziert. In unserer Klinik stellte sich ein 20-jähriger Patient mit Erythemen, Plaques sowie prallen Blasen und Erosionen im Bereich beider Unterschenkel vor. Am linken Unterschenkel bestand zudem eine 3 cm durchmessende Ulzeration. Als zugrundeliegende Erkrankung konnten wir eine Epidermolysis bullosa dystrophica sichern. Nach Durchführung eines chirurgischen Débridements ist die Wundgrundkonditionierung mittels Vakuumtherapie in unserer Klinik der Goldstandard der Lokaltherapie. Bei der Vakuumtherapie wird der auf der Wunde platzierte Schwamm mit einer selbsthaftenden Polyurethanfolie fixiert. Nach Anlage eines Unterdrucks resultieren Scherkräfte in der Wundumgebung, die bei Patienten mit Epidermolysis bullosa zu der Ablösung großer Hautareale führen können, so dass eine konvenzionelle Vakuumtherapie kontraindiziert gewesen wäre. Um dennoch eine Vakuumtherapie durchführen zu können, verwendeten wir für die Fixierung des Schwammes eine nicht-klebende Polyethylenfolie, die in den Randbereichen mit Stomapaste abgedichtet wurde. Nach einem 3-tägigen Zyklus wurde der Verband nahezu schmerzfrei und ohne weitere Traumatisierung der umgebenden Haut entfernt, so dass in der Folge eine Spalthauttransplantation durchgeführt werden konnte und das zuvor therapierefraktäre Ulcus cruris vollständig abheilte. Die modifizierte Vakuumtherapie mit nicht-adhäsiver Polyethylenfolie stellt eine neue, die Wundumgebung wenig traumatisierende Alternative dar, die den Einsatz der Vakuumtherapie beispielsweise bei Patienten mit Epidermolyis bullosa ermöglicht.