MHP

Wundmanagement 4/2016

Aktuelles

  • HBO bei diabetischem Fuß: Anhaltspunkt für Nutzen beim Wundverschluss
  • BVMed-Fachgespräch zur Wundversorgung
  • Neue Professorin will alle Wunden heilen
  • REHACARE 2016 Düsseldorf

Übersicht

Szenarien zur Bewertung von elektronischen Wunddokumentationssystemen: Die Studie des AOK Bundesverbandes

U. Hübner, K. Krämer, S. Milde, J. Thye und N. Egbert

WundManagement 2016;10(4):188–195.

Schlüsselwörter: Wunddokumentation, eHealth, integrierte Versorgung, Wundregister, Datenanalyse

Die Versorgung von Menschen mit chronischen Wunden ist auch heute im Zeitalter der modernen Wundversorgung ein Problem, da Versorgungskontinuität, Informationskontinuität, Interprofessionalität, Steuerung der Versorgung und damit Formen der sektorübergreifenden Versorgung entweder nur schwach ausgeprägt oder nicht geregelt sind. Vor dem Hintergrund, dass Informationstechnologie (IT) in vielen dieser Bereiche unterstützend wirken kann, wurde eine Marktanalyse zu elektronischen Wunddokumentationssystemen durchgeführt. Zur Bewertung der Produkte wurde eine Hierarchie von 41 Einzelkriterien, von übergeordneten Themen (z.B. Kompatibilität mit bestehenden Datensätzen, eHealth-Fähigkeit, Grad der wissenschaftlichen Evidenz, Registerfähigkeit) und drei Szenarien entwickelt. Die Szenarien betreffen die Übermittlung von Informationen, die Integrierte Versorgung und die Analyse von Daten. Dabei fließen die Einzelkriterien in die übergeordneten Themen ein und diese wiederum in die Szenarien. Somit konnte die Fülle der Einzelinformationen verdichtet werden, um das Schema einer Produktbewertung zu entwickeln. Insgesamt wurden 64 elektronische Dokumentationssysteme in die Marktübersicht aufgenommen. Die Anzahl und Vielfalt der Systeme zeigt, dass es sich um einen hinreichend bedeutsamen Markt handelt. Für eine konkrete Auswahl eines Produktes, das in einer bestimmten Umgebung und zu einem spezifischen Zweck eingesetzt werden soll, wird ein systematischer Auswahlprozess, gegebenenfalls eine Ausschreibung empfohlen, die sich die Einzelkriterien, übergeordneten Themen und Szenarien zunutze machen sollte. Darüber hinaus liefert die vorliegende Marktübersicht Aussagen zu dem Markt als solchem. Auch wenn es Produkte im oberen Bereich der Verteilung gibt, hat die Mehrzahl der Produkte noch einen starken Aufholbedarf in allen Bereichen, insbesondere im eHealth und Telemedizin/ Telehealth Bereich sowie in der Analyse der dokumentierten Daten. Zur Stimulierung des Marktes wird Herstellern und Kunden empfohlen, über den reinen Dokumentationsansatz hinauszugehen und zukunftsorientiert zu planen.

Empfehlung

Der elektronische Wundbericht als Grundlage für eine interprofessionelle Kommunikation in der intersektoralen Versorgung

U. Hübner, G. Schulte, D. Flemming

WundManagement 2016;10(4):196–202.

Schlüsselwörter:intersektorale Versorgung, Interoperabilität, HL7 CDA, Konsensus, interprofessionelle Kommunikation

Informationstechnologie, die die Diagnostik, Therapie und Versorgung von Menschen mit chronischen Wunden unterstützen soll, muss in der Lage sein, intersektoral und interprofessionell zu arbeiten. Dies setzt interoperable Informationssysteme in den jeweiligen Institutionen und bei den jeweiligen Leistungserbringern voraus. Mit dem Vorschlagsmodell für einen elektronischen Wundbericht (eWundbericht) aus dem Jahr 2012 wurde erstmals ein standardisiertes, auf internationalen Leitlinien und Expertenmeinungen beruhendes Konzept geschaffen, einen einheitlichen Datensatz austauschen zu können. Dieses Vorschlagsmodell für den eWundbericht war auf Basis eines multimethodischen Vorgehensmodells entwickelt worden. Dieses Vorgehensmodell wurde nun dahingehend erweitert, dass wesentliche Fachgesellschaften dieses Vorschlagsmodell kommentieren und konsentieren sollten und dass das konsentierte Modell bei einer Standardisierungsgesellschaft für IT im Gesundheitswesen eingereicht werden sollte. In diesem Sinne wurde das Vorschlagsmodell für den eWundbericht insgesamt 57 Wundexperten der Initiative Chronische Wunden e. V. (ICW) und der Fachgesellschaft Stoma, Kontinenz und Wunde e. V. (FgSKW) zur Beurteilung vorgelegt. Mit nur wenigen Ausnahmen entsprachen die Elemente des eWundberichts der Mehrheit der Experten. ICW und FgSKW gelangten daher zu der Meinung auf Vorstandsebene, dass der eWundbericht alle relevanten Informationen für die Übergabe von Patienten mit chronischen Wunden enthielte und als Hilfe bei der Erstellung von Übergabeprotokollen geeignet sei. Im Rahmen der Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Wundheilung und Wundtherapie e. V. (DGfW) auf der Ebene von Expertenworkshops wurde das Vorschlagsmodell des eWundberichts einem weiteren, ausführlichen Vergleich mit der DGfW S3-Leitlinie „Lokaltherapie chronischer Wunden“ unterzogen und seine Struktur dem Diagnose- und Therapieprozess angepasst. Auf dieser Basis konnte der eWundbericht als Dokument gemäß den Vorgaben der HL7 Clinical Document Architecture modelliert und in XML Code überführt werden. Diese Fassung wurde der IT Standardisierungsorganisation HL7 Deutschland im Rahmen des Interoperabilitätsforums vorgestellt. Weiterentwicklungsbedarf für den eWundbericht gibt es insbesondere in der Definition der geeigneten Klassifikationen zur Codierung und standardisierten Bezeichnung von Ausprägungen der Informationsfelder. Dies benötigt erneut die Einbeziehung von Experten der Fachgesellschaften

Aus der Praxis

Praxiserfahrungen mit der Anwendung einer IT-gestützten Wunddokumentation im Kontext der Pflegedokumentation – Erfahrungsbericht aus dem Augustahospital Anholt

T. Goedecke, K. Güttler

WundManagement 2016;10(4):196–202.

Schlüsselwörter: IT-gestützte Wunddokumentation

Das Augustahospital Anholt ist eine neurologische Fachklinik mit jährlich 1.800 stationären Fällen, die sich 2014 entschied, eine integrierte elektronische Wunddokumentation zu implementieren. Dabei formulierte das Augustahospital folgende Anforderungsliste. Die Software sollte eine vollständige Einbindung der Wunddokumentation in den Pflegeprozess ermöglichen. Eine Wundanamnese und -beschreibung sollte mit vorformulierten Einträgen zum Anklicken oder Auswählen erstellbar sein, welche die wesentlichen Beurteilungskriterien basierend beispielsweise auf dem Expertenstandard „Pflege von Menschen mit chronischen Wunden“ (DNQP 2015) enthält, so dass freie Formulierungen auf ein absolut notwendiges Maß reduziert werden können. Wundbilder sollten eingebunden werden können und in übersichtlicher Form als Bildergalerie darstellbar sein. Die Wundfotos sollten automatisch vermessen werden können. Eine Doppeldokumentation musste vermieden werden. Angaben zu den Wunden, insbesondere den Druckgeschwüren, sollten statistisch auswertbar sein. Die Behandlungswirkung musste in übersichtlicher Form bewertet werden können. Das Augustahospital Anholt entschied sich für die Software apenio® der Firma atacama Software GmbH Bremen, deren Arbeitsweise in diesem Artikel beschrieben wird. Als Vorteil beurteilen die Anwender insbesondere die Gesamtsicht auf die Patientensituation und die pflegetherapeutischen Maßnahmen, so dass nicht nur der Heilungsverlauf der Wunde, sondern gleichermaßen die der Wunde zugrundeliegenden Faktoren und deren Verlauf beurteilt werden können. Ebenso werden das schnelle und einfache Verfolgen des Heilungsverlaufes der Wunde, die Verfügbarkeit der Daten an jedem Ort zu jeder Zeit für jeden Mitarbeiter, der die entsprechenden Rechte hat und die gleichbleibende Dokumentationsqualität aufgrund der hinterlegten Fachsprache als positiv erachtet. Die Mitarbeiter des Augustahospitals ziehen das Fazit, dass eine detaillierte, standardisierte und lückenlose Dokumentation eine unabdingbare Voraussetzung ist, um den Erfolg und die Qualität der (Pflege-)Behandlung zu überprüfen.

Aus der Praxis

Interdisziplinäre Wundversorgung via Tablet und App

B. Kötte, S. Hanel, S. Völler

WundManagement 2016;10(4):211–213.

Schlüsselwörter: IT-gestützte Wunddokumentation, Netzwerksoftware

Das Wund- und Lymphzentrum (WLZ) Osnabrück ist ein Zusammenschluss von Medizinern, Physiotherapeuten, Wundtherapeuten und Sanitätshäusern. Als Netzwerk existiert es seit 2011. Zur elektronischen Vernetzung über Einrichtungs- und Sektorengrenzen hinweg, setzt das WLZ die Versorgungsmanagement-Software iDokument der opta data Gruppe ein. Darüber können die aktuellen Behandlungsdaten der Patienten zugriffsgesichert ausgetauscht werden, da die Daten geschützt in einem Rechenzentrum verwaltet werden. Dabei dokumentieren die beteiligten Behandler entweder stationär auf dem PC oder mobil über Tablet PC oder Smartphone mit eingebauter Kamera für die digitale Bilddokumentation. Die Verlaufsdokumentation sowie die Abschlussdokumentation werden als Basis genutzt, um die Daten sowohl für den Therapieprozess als auch für die Überprüfung der medizinischen Ergebnisqualität zu analysieren. Mit Beginn des Erstgesprächs ist der Patient in die transparente Darstellung des Behandlungsprozesses eingebunden. Insgesamt berichteten die Anwender über einen Wegfall von Doppelarbeit und notwendiger telefonischer Abstimmung sowie von Arbeitsunterbrechungen durch Telefonate. Dies interpretierten sie im Sinne von Zeitersparnis durch die elektronische Lösung. Ebenso wurde die Erfahrung gemacht, dass durch die transparente Einbindung der Patienten ein Rückgang von Therapieabbrüchen zu verzeichnen sei. Die Versorgungsmanagement-Software wird aktuell unter anderem auch in Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Einrichtungen und den Anwendern noch stärker auf die flexible Steuerung des Versorgungsprozesses ausgerichtet.

Stellungnahme

Welche Verbandmittel sollen für GKV-Patienten weiterhin erstattet werden (Anspruch nach §31 SGBV)? – Stellungnahme des ICW e. V. zu dem Referentenentwurf des Bundesministeriums für Gesundheit (Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung der Heil- und Hilfsmittelversorgung)

Für die Initiative chronische Wunden e. V.: K. Kröger, J. Dissemond, H. Diener, V. Gerber, H.Streller, B. Jäger, C. Münter, A. Bültemann, W. Sellmer, A. Schwarzkopf, K. Protz, C. Hampel-Kalthoff, E. Küppers, A. Glod, Z. Babadagi, U. Imkamp, B. Assenheimer, N. Kolbig, M. Schimmelpfennig, T. Bonkowski

Für die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin e. V.: W. Tigges

Für die Deutsche Gesellschaft für Angiologie, Gesellschaft für Gefäßmedizin e. V.: H. Lawall

Für die Deutsche Diabetes Gesellschaft: R. Lobmann

Für das WundD–A–CH: S. Probst, J. Traber, R. Strohal, P. Kurz, S. Läuchli

Einleitung:Chronische Wunden können bei einer Vielzahl von Erkrankungen als Komplikationen auftreten. An erster Stelle sind hier arterielle und venöse Durchblutungsstörungen, der Diabetes mellitus und Immobilität infolge von Pflegebedürftigkeit zu nennen. Das Unterschenkelgeschwür (Ulcus cruris), das diabetische Fußsyndrom (DFS) und der Dekubitus sind die Folgen. Patienten mit chronischen Wunden erleiden somit in einem hohen Ausmaß einen Verlust an Lebensqualität [22]. Neben den medizinischen Herausforderungen, die sich bei der Therapie von Patienten mit chronischen Wunden stellen, entstehen durch die lange andauernde Behandlung hohe Kosten für die Krankenversicherung sowie auch hohe gesellschaftliche Kosten, beispielsweise durch Arbeitsunfähigkeit oder Frühberentung. Es gibt derzeit in Deutschland keine umfassende evidenz- und konsensbasierte Handlungsempfehlung mit einem Behandlungsalgorithmus für alle beteiligten Disziplinen und Professionen. Die interdisziplinäre und interprofessionelle Zusammenarbeit sowie die transsektorale Verzahnung in Deutschland sind bislang nicht optimal. Es bestehen Versorgungsbrüche sowie Optimierungspotenzial im Schnittstellenmanagement. Darüber hinaus erschwert das Fehlen von Definitionen als Grundlage standardisierter Kommunikationsprozesse die Kommunikation und Abstimmung zwischen den Disziplinen und Berufsgruppen [4]. Es besteht somit aktuell ein deutlicher Verbesserungsbedarf. Seit der Gründung der Fachgesellschaft ICW im Jahr 2002 sind wir Ansprechpartner für betroffene Patienten und Wundversorger aller Berufsgruppen. Die ICW entwickelt und kommuniziert Behandlungsstandards und Definitionen, erstellt Schulungskonzepte für Wundversorger vieler Berufsgruppen und erhöht durch das Qualifizierungssystem „Wundsiegel“ seit Jahren kontinuierlich das Niveau der Versorgung von Menschen mit Wunden in Deutschland. Bisher wurden über 35.000 Wundexperten ICW, Fachexperten Wunde ICW und Pflegetherapeuten ICW ausgebildet. Wir teilen das Anliegen des Gesetzgebers, Klarheit bei der Verordnungs- und Erstattungssituation von Verbandmitteln zu schaffen. Wir sehen ebenfalls aktuell ein Problem in der Erstattung von Verbandmitteln z. B. durch willkürliche Produktzuordnungen durch Firmen, individuelle Entscheidungen von Kassenmitarbeitern, ausufernde Verkaufspreise zu Lasten der GKV und geringe Transparenz der Produkte am Markt. Unser Hauptinteresse gilt der qualitätsgesicherten Versorgung der Wundpatienten und eines wirtschaftlich sinnvollen Einsatzes der erforderlichen Produkte. Wir nehmen hiermit wie aufgefordert Stellung zu dem Referentenentwurf, speziell zu dem neu eingefügten (1a) im § 31 SGBV. Die ICW ist überrascht, so relevante und weitreichende Veränderungen bei den Erstattungsregelungen zu Verbandstoffen (Arzneibudget!) versteckt in einem Heil- und Hilfsmittelgesetz zu finden.Uns ist aufgefallen, dass die meisten der von den möglichen Änderungen betroffenen Fachgesellschaften nach AWMF nicht von dem Bundesministerium informiert/ angeschrieben und zu einer Stellungnahme aufgerufen wurden. Wir gehen angesichts der Tragweise der beabsichtigten Änderungen davon aus, dass das nicht absichtlich passiert ist und unter Verlängerung der Stellungnahmefrist schnell nachgeholt wird.

Pflegelexikon

Kompressionstherapie, Teil 2

K. Protz

Cochrane-Pflege-Corner

Verbände zur Therapie des Diabetischen Fußulkus bei Patienten mit Diabetes: Eine Übersicht zu Systematischen Reviews

E.-M. Panfil

Nachrichten des ICW e. V.

  • Wichtige Information! Mitgliedsbeiträge 2016
  • Sieger des Gewinnspieles des ICW e. V.
  • Ein Jahrzehnt ICW-Wundexperten: 32.000 Fachleute haben die Versorgung in Deutschland deutlich verbessert
  • Erster Kurs zum Wundexperte ICW e. V. in Österreich
  • Neues aus den Arbeitsgruppen

Nachrichten der Österreichischen Gesellschaft für Wundbehandlung (AWA)

  • AWA-Symposium am 16.9.2016 in Wien

Nachrichten der Schweizerischen Gesellschaft für Wundbehandlung (SAfW)

eHealth

Nachrichten des Wundzentrum Hamburg e. V.

  • 57. Mitgliederversammlung des Wundzentrum Hamburg e. V. am 9.6.2016

Veranstaltungen

  • 5. Ulmer Wundtag des Häussler-Forums