MHP

Wundmanagement 05/2016

Aktuelles

  • Kabinett beschließt Gesetzentwurf zur Stärkung der Heil- und Hilfsmittelversorgung
  • Stamm-Fibich (SPD) sieht die Verbandmittel-Neuregelung kritisch
  • Gesundheitliche Bedeutung, Prävention und Kontrolle Wasser-assoziierter Pseudomonas aeruginosa- Infektionen

Übersichtsarbeit

Inkontinenz-assoziierte Dermatitis (IAD): Ätiologie, Pathogenese, Risiko und Epidemiologie

J. Kottner, U. Blume-Peytavi

WundManagement 2016;10(5):248–251.

Schlüsselwörter: Dermatitis, Haut, Inkontinenz, Pflege

Eine länger andauernde und wiederholte Exposition gegenüber Urin und/oder Stuhl führt zu einer entzündlich bedingten irritativen Dermatitis der exponierten Hautareale, welche beim Erwachsenen als Inkontinenz-assoziierten Dermatitis (IAD) bezeichnet wird. Ein erhöhter pH-Wert und exzessive Feuchtigkeit auf der Hautoberfläche, digestive Enzyme und Bakterien aus dem Stuhl, Tenside von Hautreinigungsmitteln und wiederholte Hautreinigungsprozeduren sind die Ursachen der IAD. Die Interpretation epidemiologischer Daten zur IAD Häufigkeit ist aufgrund uneinheitlicher Definitionen und Datenerhebungsmethoden erschwert. Die große Spannweite von Prävalenzen und Inzidenzen deutet auf Unterschiede im Versorgungsprozess hin.

 

 

Übersichtsarbeit

Entwicklung eines Core Outcome Sets für die klinische Forschung zur Inkontinenz-assoziierten Dermatitis

J. Kottner, D. Beeckman

WundManagement 2016;10(5):252–254.

Schlüsselwörter: Dermatitis, Haut, Inkontinenz, Klinische Forschung, RCT

Die Verwendung unterschiedlicher Endpunkte in klinischen Studien verhindert den sinnvollen Vergleich und die Zusammenfassung von Ergebnissen verschiedener Studien. Core Outcome Sets (COS) sind abgestimmte und standardisierte Endpunkte und deren Messmethoden, welche in allen klinischen Studien in einem speziellen klinischen Gebiet gemessen und berichtet werden sollten. Core Outcome Sets beschreiben sowohl, welche Endpunkte gemessen werden sollen und wie die Endpunkte gemessen werden sollen. Im Bereich der Dermatologie ist die Cochrane Skin Group Core Outcome Set Initiative (CSG-COUSIN) von Bedeutung. Das Core Outcome Set in IAD Research (CONSIDER) hat zum Ziel, Core Outcome Sets für die klinische IAD Forschung bei Erwachsenen zu entwickeln. Basierend auf systematischen Übersichten, Interviews von Experten und Betroffenen und basierend auf internationalen Delphi-Studien sollen sowohl Endpunkte als auch mögliche Messinstrumente identifiziert werden. Sind Core Outcome Sets für bestimmte klinische Gebiete verfügbar, so sollen diese konsequent in klinischen Studien und systematischen Übersichtsarbeiten verwendet werden.

Übersichtsarbeit

Instrumente zur Risikoerfassung und Klassifizierung einer Inkontinenz-assoziierten Dermatitis (IAD) – Eine Literaturübersicht

A. Steininger, M. Jukic-Puntigam

WundManagement 2016;10(5):188–195.

Schlüsselwörter: Einschätzungsinstrument, Feuchtigkeitsassoziierte Hautschädigung, Inkontinenzassoziierte Dermatitis, IAD, Harninkontinenz, Stuhlinkontinenz, Reliabilität, Validität, Praktikabilität

Patienten mit einer Harn- und/oder Stuhlinkontinenz sind gefährdet, eine Inkontinenz-assoziierte Dermatitis (IAD) zu erleiden. Instrumente zur Einschätzung der perinealen und perigenitalen Haut können Pflegepersonen dabei unterstützen, das individuelle Risiko einer IAD zu bestimmen und eine mögliche vorliegende IAD zu klassifizieren. Ebenso können diese Instrumente zur Differenzierung zwischen einer IAD und anderen Hautschäden wie z. B. eines Dekubitus oder einer intertriginösen Dermatitis beitragen. Ziel der Literaturübersicht ist es, englisch- sowie deutschsprachige pflegerische Instrumente zur Risikoerfassung und Klassifizierung der IAD zu beschreiben und deren testtheoretische Gütekriterien darzustellen. Die Literaturrecherche erfolgte in mehreren Phasen ab dem Jahr 2009 bis 2016 u. a. in den Datenbanken Medline, Academic Search Elite, CINAHL und DIMDI. Die Ergebnisse zeigen, dass es sieben englisch- und zwei deutschsprachige Instrumente zur Einschätzung der Haut in der perinealen und perigenitalen Region gibt. Diese neun Instrumente sind unterschiedlich auf deren Testgüte geprüft.

Übersichtsarbeit

Multimethodisches Analyseverfahren zur Entwicklung des deutschsprachigen Inkontinenz-assoziierten Dermatitis Intervention Tool (IADIT-D): Eine Projektbeschreibung

G. Müller, P. Schumacher

WundManagement 2016;10(5):262–267.

Schlüsselwörter: Einschätzungsinstrument, Inkontinenz-assoziierte Dermatitis, Inkontinenz, testtheoretische Gütekriterien

Hintergrund: Inkontinenz-assoziierte Dermatitis (IAD) ist eine Folgeerkrankung einer Harn- beziehungsweise Stuhlinkontinenz und diese kann negative Folgen für die pflegebedürftigen Menschen haben. Daher ist das frühzeitige Erkennen eines IAD Risikos oder einer bestehenden IAD bei betroffenen Personen für das präventive beziehungsweise therapeutische Management von Bedeutung.

Zielsetzungen: Die Ziele des Projektes waren daher die Entwicklung und Testung des deutschsprachigen Inkontinenz-assoziierten Dermatitis Intervention Tool (IADIT-D). Methodik: Das sechsjährige Projekt bediente sich einem Concurrent Mixed-Methods Design mit unterschiedlichen quantitativen und qualitativen Verfahren zur Datenerhebung sowie Interpretationsmethoden.

Ergebnisse: Nach Übersetzung der englischen Originalversion in die deutsche Sprache und Testung der Inhaltsvalidität, konnte eine zufriedenstellende Konkordanz sowie die Praktikabilität für das IADIT-D im stationären Bereich festgestellt werden. Die literaturgestützten Anwendungs- und Interventionsvorschläge im IADIT-D wurden von drei verschiedenen Expertengremien positiv beurteilt.

Schlussfolgerungen: Zum Erfassen von Inkontinenz-assoziierten Hautschäden kann das IADIT-D für das untersuchte Setting empfohlen werden.

Medizin & Fußpflege

Ursachen und Therapie von Nagelerkrankungen

O. Mainusch

WundManagement 2016;10(5):268–275.

Ein genauer Blick auf Zehen- oder Fingernägel lohnt sich meistens. Veränderungen und Auffälligkeiten können Hinweise auf Erkrankungen des gesamten Körpers geben und sind häufig zu beobachten. Dr. Oliver M. Mainusch und Prof. Dr. Eckart Haneke vermitteln theoretisches Hintergrundwissen, ordnen sichtbare Veränderungen ein und erläutern Therapiemöglichkeiten.

Konsens

Expertenkonsens zu praxisrelevanten Aspekten der Wundtherapie mit einem Hämoglobin-Spray

R. Strohal*, V. Gerber, K. Kröger, P. Kurz, S. Läuchli, K. Protz, S. Uttenweiler, J. Dissemond

WundManagement 2016;10(5):276–284.

Schlüsselwörter: Wundheilung, chronische Wunden, Hypoxie, Oxygenierung, Hämoglobin

Während der physiologischen Wundheilung spielt molekularer Sauerstoff (O2) eine bedeutsame Rolle, da viele Prozesse O2-abhängig verlaufen. Die Sauerstoffversorgung betroffener Gewebe – insbesondere in chronischen Wunden – ist jedoch häufig eingeschränkt und wird durch die Behandlung der Grunderkrankung nicht ausreichend sichergestellt. Im Rahmen der phasengerechten Wundbehandlung können daher zusätzliche Maßnahmen zur Einbringung von Sauerstoff in die Wunde erforderlich sein. Zur topischen Sauerstoffapplikation stehen derzeit mehrere Optionen zur Verfügung. Seit 2012 ist Hämoglobin-Spray auf dem Markt erhältlich und damit ein einfach und ortsunabhängig anwendbares Produkt, welches problemlos in die Standardwundbehandlung integriert und durch den Patienten sogar selbst benutzt werden kann. Basierend auf dem physiologischen Prinzip der erleichterten Diffusion transportiert Hämoglobin den in der Umgebungsluft enthaltenen Sauerstoff über die aus Wundflüssigkeit bestehende Diffusionsbarriere zum Wundgrund. Es stellt damit die bisher einzige topische Behandlungsoption dar, über die betroffene Gewebe direkt mit Sauerstoff versorgt werden können. Klinische Studien haben bereits die gute Wirksamkeit belegt, insbesondere bei schlecht heilenden Wunden, die auch nach 4-wöchiger Standardtherapie keine deutliche Zustands-verbesserung zeigten. Ein praxisrelevanter Algorithmus zur Anwendung von Hämoglobin-Spray fehlt derzeit jedoch noch. Ein interdisziplinäres Expertengremium aus der D.A.CH.-Region diskutierte daher auf Basis publizierter Evidenz und klinischer Erfahrungen die Vor- und Nachteile des Einsatzes von Hämoglobin-Spray. Gemäß Expertenmeinung ist Hämoglobin-Spray ein gut wirksames Produkt, geeignet zur Sauerstoffversorgung von akuten sowie chronischen Wunden, die nach 4-wöchiger Standardtherapie keine Flächenverkleinerung ≥ 40 % aufweisen. Ein Vorteil gegenüber anderen Oxygenierungsoptionen stellt die einfache und nebenwirkungsfreie Anwendung dar. Ferner kann unter Anwendung von Hämoglobin-Spray gemäß den dargestellten Empfehlungen im Rahmen des modernen Wundmanagements oft eine signifikante Verkürzung der Heilungsdauer erzielt werden, was dann zu einer deutlichen medizinisch-ökonomischen Vorteilhaftigkeit für das Produkt führt.

Stellungnahme

Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung der Heil-­ und Hilfsmittelversorgung Heil-­ und Hilfsmittelversorgungsgesetz (HHVG)

Stellungnahme des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen (BVDD) in Abstimmung mit der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (DDG) und dem Deutschen Wundrat (DWR)

WundManagement 2016;10(4):188–195.

1. Weiterführende gesetzliche Maßnahmen zur Verbesserung der Versorgung chronischer Wunden sind notwendig und angesichts der hohen Krankheitslast und identifizierter Defizite zu begrüßen.

2. Die definitorische Neufassung des Verbandmittelstatus im vorliegenden Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung der Heil-­ und Hilfsmittelversorgung (HHVG) bedarf Korrekturen.

3. Die Einführung einer erstattungsrelevanten Nutzenbewertung für Verbandmittel mit zusätzlichen Wirkeigenschaften ist im Bereich der heute eingesetzten Wundauflagen mit einer hinreichend großen Übergangsfrist und unter Nutzung von Schlüsselstudien zu begleiten.

4. Versorgungslücken durch fehlende Erstattung notwendiger Wundtherapeutika sind zwingend zu vermeiden.

Pflegelexikon

Thermische Wunden

K. Protz

Cochrane-Pflege-Corner

Druckverteilende Systeme zur Prävention eines Dekubitus

E.-M. Panfil

Images

Ulzerationen durch Einnahme von Hydroxyurea

J. Dissemond

Nachrichten des ICW e. V.

  • Fragen und Antworten zu den Änderungen im Gesetzesentwurf HHVG § 31 Abs1a
  • Neues vom Wundsiegel

Nachrichten der SAfW

  • Inkontinenz Assoziierte Dermatitis (IAD) – ein Überblick
  • Endorsement EWMA der MAS in Wound Care

Nachrichten des Wundzentrum Hamburg e. V.

  • Wundtag des Wundzentrum Hamburg e. V. und Lymphnetz Hamburg e. V. am 8.7.2016